Themen


Was bestimmt unser Handeln? Wie denken die Menschen hinter FIBUR? Warum wurde FIBUR gegründet? An dieser Stelle veröffentlichen wir unsere Gedanken zu Themen, die uns zum Nachdenken bringen und uns zum Handeln antreiben. Es ist uns ein zentrales Anliegen, dass ihr unsere Haltung kennenlernt und wir freuen uns zu erfahren, was euch bewegt.

Vegan leben

Vegan leben bedeutet für mich, Tiere als gleichberechtigte Erdenbewohner anzusehen, die das gleiche Recht haben wie ich, sich frei und unbeschwert zu entfalten. Wie unwürdig und qualvoll Tiere in unserer Gesellschaft in den meisten Fällen behandelt werden, wenn sie uns als Nahrungsmittel dienen sollen, können wir schnell im Internet recherchieren. Ein weiterer Grund, aus dem ich mich für einen gänzlichen Verzicht auf tierische Erzeugnisse entschieden habe, ist der Aspekt der Nahrungsgerechtigkeit. Denn um beispielsweise ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen, müssen 10 Kilo Getreide verfüttert werden und 100.000 Liter Wasser verbraucht werden -- Kalorien und Trinkwasser, die angesichts von globalem Hungers und Wasserknappheit dringend anderswo benötigt werden.

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Umso paradoxer ist unser Fleischkonsum, als dass bereits eine geringfügige Einschränkung desselben zu einer umfangreichen Freisetzung knapper Grundnahrungsmitteln beitragen könnte. Grundnahrungsmittel um die Menschen inzwischen mit Autos und sogenannten Nutztieren konkurrieren.

Ich habe nie viel Fleisch gegessen, kann jedoch nicht leugnen, dass es eine Zeit gab, in der ich den Konsum durchaus genossen habe. Inzwischen freue ich mich darüber, in einer Welt zu leben, wo mir ebenso die Alternative zur Verfügung steht, mich von pflanzlichen Lebensmitteln, der frischen Luft und den herrlichen Sonnenstrahlen alleine zu „ernähren“. Nie war es einfacher. Und gerade momentan nimmt das Angebot in einem besonders hohen Tempo zu, wie ich an den zunehmend in vielen deutschen Großstädten anzutreffenden veganen Gastronomien feststellen kann. Ich lerne ständig neue köstliche Lebensmittel kennen – sei es nun das gute Hanföl reich an Omega-3-Fettsäure, das pikant geräucherte Tofu oder das mit eisenreichem Amaranth verfeinerte und mit Mandelmilch genossene Frühstücksmüsli. Was auf der einen Seite Umstellung und Recherche bedeutet, ist auf der anderen Seite ein Neuerleben und bewussteres Konsumieren. Was vor vielen Jahren die schnell gekaufte, schnell ausgepackte und gedankenlos im Ofen platzierte Salamipizza war, ist heute die fein hergerichtete Spaghettiportion mit einzigartigem, weil selbst gemischten, Pesto und frisch zubereiteter Gemüsezugabe.

Woher die Zeit nehmen? Meine Prioritäten haben sich gewandelt. Ich genieße nun die Stunden in der Küche genauso wie ich früher die Zeit abends auf dem Sofa genießen konnte. Jedoch bereitet mir das achtsame Zubereiten der Speisen, das sorgsame Zwiebelschneiden, die bewusste Auswahl der Zutaten eine tiefere Befriedigung. Neues auszuprobieren, mich durch Freunde, meine neuen veganen Kochbücher oder die Blogs befreundeter Veganer für neue Küchenhighlights inspirieren zu lassen, macht mir große Freude.

Was könnte ich mir in Hinsicht auf die Ernährungssituation der Menschen in Deutschland wünschen? Mehr Freude am Ausprobieren neuer Ernährungsweisen, weniger Fleischkonsum, ein bewussteres Erleben der Nahrungsaufnahme. Für mich sind das Schritte, die uns näher bringen zu einer Welt, in der Menschen und Tiere weniger Leid erleben müssen. Ich finde es schwierig, Menschen mit der Holzhammermethode zur Einsicht zu bringen, dass ein Verzicht auf Fleisch, Milch, Käse und weitere tierische Erzeugnisse sie zu besseren Menschen macht. Ich mag es lieber, sie „am Verstand vorbei“ zum Guten zu verführen, ihnen zu zeigen, wie sich eine ganz neue Welt auftun kann, wenn sie ihre Lust auf Fleisch für einen Moment zurückstellen. Für nicht wenige Menschen ist schon bald nach ihrer Ernährungsumstellung der Geschmack von Fleisch eine zunehmend verblassende Erinnerung. Weil Essen Teil unseres mit Gefühlen verbundenen Lebens, Teil unser erlebten Vergangenheit ist, ist natürlich auch Sentimentalität erlaubt – und die kennt auch so mancher Nun-Nichtraucher, der sich für ein nikotinfreies Leben entschieden hat.

Der Moment, mich für den Wechsel zu entscheiden, kam für mich, als ich den Film „Earthlings“ über das Leben unserer tierischen Mitlebewesen im Heimkino sah.

Soziale Gerechtigkeit

Was mich bewegt, ist das Thema der sozialen Gerechtigkeit. Was zunächst ein etwas abstrakter Sammelbegriff ist, fühlt sich gleich ganz anders an, wenn man die dahinter stehenden Themen betrachtet: gleiche Behandlung am Arbeitsplatz, Schutz vor Diskriminierung, Rassismus, Homo- und Transphobie, Machismo in Lateinamerika, der Kampf um Demokratie, der Kampf um Freiheit und um Selbstentfaltung. Vielleicht vermische ich das Thema Freiheit mit sozialer Gerechtigkeit, aber für mich ist es eng verwoben.

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Solidarität. Das ist das Gegenstück, das Gefühl, das sich in uns entwickelt und uns dazu bringt, Einsatz zu zeigen für das Leid, die Not eines Anderen, von dessen Wohlergehen unser eigenes Glück gar nicht abhängt (abzuhängen scheint). Ich verspüre starke Solidarität mit Menschen, die in schwierigen Situationen feststecken – ein Stück weit hat das natürlich auch mit den Erfahrungen zu tun, die man selbst gemacht hat, mit der eigenen Identität bzw. wie leicht man sich mit einem anderen Individuum identifizieren kann.

Ich interessiere mich sehr dafür, was Menschen veranlasst, sich für Menschen einzusetzen, deren Schicksal sie nicht direkt miterleben können. Ich habe mich für die Kinderrechtsorganisation UNICEF engagiert, als ich studierte, und habe später in meiner Bachelorarbeit die Motive von Spendern für humanitäre Hilfsorganisationen und die Einflussfaktoren auf ihre (Spender)Zufriedenheit untersucht. Ich merke an mir selbst, dass ich mir ein direkteres Erleben des Schicksals und der Wirksamkeit meiner Spenden wünsche, dass ich mir eine noch größere Nachvollzieh- und Anschaulichkeit der Tätigkeit von Hilfsorganisationen wünsche… Aber das Thema ist vielschichtig. Wir können uns nicht davon freisprechen, dass uns das schwere Schicksal Notleidender manchmal mehr belastet, als uns lieb ist. Auch das eigene Ohnmachtsgefühl kann hier zum Tragen kommen.

Was wir in dieser Gesellschaft mehr brauchen als vieles andere ist Entschleunigung. Die Momente des Innehaltens geben uns die Gelegenheit, hineinzufühlen, mitzufühlen, Lösungen zu suchen, aktiv zu werden. Wir können jedoch nicht nur das Wirtschaftssystem, den Lebenswandel, die Technik usw. dafür verantwortlich machen, dass uns das fehlt, was wir Zeit nennen.